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Unser diesjähriger vierter Besuch im Buchencamp, speziell für Anfänger im Thema Bushcraft, stand unter besten Voraussetzungen. Wunderschönes und stabiles Wetter war vom Wetterdienst angesagt. Also stand schon einmal fest, dass ein Biwak unter dem Sternenhimmel durchgeführt werden konnte und die Zelte im Materialdepot blieben. Da es in den Tagen zuvor öfter geregnet hatte, gab es auch keine gefährliche Waldbrandstufe mehr und wir freuten uns ebenfalls auf ein abendliches Lagerfeuer.
Als Teilnehmer hatten sich ein junger Mann und erstmals eine junge Frau angemeldet, beide mit wenig Outdoor-Erfahrung, aber das wollten wir an diesem Wochenende ändern. Für beide sollte es die erste Nacht im Wald werden.
Da wir in diesem Jahr schon oft mit Kleingruppen im Camp waren, präsentierte sich das Camp in perfektem Zustand. Die Tische und Bänke waren schon beim letzten Mal repariert worden, das Brennholz war sauber aufgestapelt und kaum neue, hinterhältige Bodenranken hinzugekommen. An der Stelle nochmal herzlichen Dank an Thorsten, der hier noch vor wenigen Wochen, einen nachhaltigen Rundumschlag veranstaltet hat.
Zeitlich versetzt kamen wir im Camp an und so konnte ich mit Falk noch einen Ästeaufsammel-Rundgang machen, damit alles den kritischen Damenblicken standhielt. Als dann der Kaffee kochte, betrat auch Pia pünktlich das Camp und war von diesem Platz total begeistert. Mehr Lob brauchten wir auch nicht. Durch das weiche Licht der Herbstsonne leuchteten die Farben besonders warm. Nach dem obligatorischen Rundgang mit Benutzungsregeln der Örtlichkeiten und anschließender kleiner Kennenlernrunde gab es auf der Bank an der Rehwiese frischen Kaffee, etwas Kuchen und Instruktionen über den weiteren Ablauf unseres Wochenendes.

Herbst im Camp
Kaffee aus der Westernkanne

Es war nämlich nicht nur der normale Outdoor-Schnupperkurs geplant, sondern wir hatten zusätzlich ein noch nicht fertiggestelltes Bauprojekt zu vollenden. Da beide Teilnehmer handwerklich geschickt waren, den Umgang mit scharfen Werkzeug gewohnt waren und sich dazu bereiterklärten, konnte ich das wunderbar miteinander kombinieren.
Üblicherweise fangen wir mit den Gefahren des Waldes durch Tiere auf dem Boden und durch Astbruch an und wählten mit diesen Erkenntnissen einen geeigneten Lagerplatz. Da Zelte nicht in Frage kamen, konzentrierten wir uns auf die drei üblichen Tarpaufbauten und trainierten sie direkt in Verbindung mit den notwendigen Knoten und den verschiedenen Heringen. Als letztes war das Tipi-Tarp dran, das dann auch direkt für die kommende Übernachtung stehenblieb und direkt zur Verwendung bestückt wurde.

Unsere kleine Gruppe
Tarp in Tipiform mit umgeschlagenem Boden

Während der Mittagspause wurden schon viele Fragen der Teilnehmer direkt beantwortet.
Dann folgte Material- und Ausrüstungskunde und schon war es Nachmittag und wir begannen mit dem Aufbau unserer recht groben Anrichte. Pflöcke wurden gesucht und mit den scharfen Beilen angespitzt, Auflagebalken wurden gesägt, Löcher gegraben und Pflöcke eingetrieben. Für die 3m langen Baumstämme der „Tischplatte“ hatte uns Barbarossa beim letzten Mal schon 2 tote Bäume gefällt, die wir jetzt nur noch per Hand auf Maß sägen brauchten. Die neu angeschaffte Bügelsäge wurde also praxisnah eingeweiht. Wir sägten und hackten also ein paar Stunden, dann stand die fertige Anrichte pünktlich zum Abendbrot vor uns und konnte schon benutzt werden.

Hey Roli, die Anrichte ist aber jetzt nicht zum Relaxen gedacht!
Noch schnell ein Foto bevor alles aufgegessen ist

Letzte Feinheiten müssen zwar noch erledigt werden, aber ich brauchte die restliche Zeit im Hellen um ein Festmahl für meine Teilnehmer herzurichten. Es sollte frische Kartoffelröstis geben. Wir schälten, wuschen und rieben Kartoffeln um schmackhafte Pfannenröstis zu backen. Die hatten wir uns durch die Schreinerarbeit verdient. Während ich mit den heißen Pfannen jonglierte entzündeten die Teilnehmer das Lagerfeuer. Die Dunkelheit brach dann recht zügig über uns herein und wir verzehrten das Abendessen im Feuerschein. Bei dem traditionellen Nachtbesuch an der Rehwiese zeigte sich allerdings leider wieder kein Tier, wahrscheinlich bedingt dadurch, dass das große Feld davor abgeerntet war und keinerlei Versteckmöglichkeiten bot. Wir feierten am Lagerfeuer den Zusammenhalt unserer kleinen Gruppe die sich so gut verstand und verschwanden kurz vor Mitternacht unter den Tarps.

Die Nacht war für diese Jahreszeit entschieden zu warm und ich brauchte meinen dicken Winterschlafsack gar nicht ganz zu schließen. Am nächsten Morgen wurden wir zwar recht früh durch Vogelgezwitscher geweckt, aber genossen es dann noch, in der absoluten Friedlichkeit des Waldes etwas zu dösen.

Lagerfeuerromantik
Guten Morgen Camp!

Nach einer Katzenwäsche und Zähneputzen am Wasserkanister kochten wir gemeinsam Kaffee und tranken durstig den Ersten schon im Stehen. Danach bereiteten wir unser weiteres Frühstück, bestehend aus frischen Burgern, in der Pfanne zu. Welch ein Komfort mitten im Wald!

Roli und sein Minitarp
Pfannen-Burger zum Frühstück

Der Abwasch war schnell erledigt und wir hatten danach noch genügend Zeit um in Ruhe in der Sonne zu sitzen und zu klönen. Jetzt war auch die richtige Gelegenheit, letzte Fragen zur Ausrüstung zu klären. Irgendwie wehmütig (alle hingen ihren Gedanken nach) wurde das Lager abgebrochen, alles Material gesäubert und in den Kisten verstaut. Pünktlich um 12 Uhr hatten wir das perfekt aufgeräumte Lager wieder verlassen, denn Barbarossa kommt immer nachmittags nachschauen.

Ich war tatsächlich schon etwas aufgeregt, als ich die Anmeldung zu dem Schnupperkurs ausgefüllt und an die Wildgänse gemailt hatte. Es sollte schließlich meine erste Übernachtung im Wald werden. Eine Infrastruktur wie auf einem Campingplatz konnte ich dort also nicht erwarten. Einen Tag später erhielt ich bereits eine Bestätigung mit einer Liste für meine private Ausrüstung, die ich mitbringen sollte. Bis zum Veranstaltungstermin waren es nun noch drei Wochen in der die Spannung stieg.

Am betreffenden Samstagmorgen war es dann endlich soweit und ich traf Roli pünktlich am vereinbarten Treffpunkt. Er war mit einer großen Menge an Ausrüstung aufgetaucht, obwohl ich doch der einzige Teilnehmer war. Hinterher stellte sich heraus, dass wir im Rahmen der Materialkunde fast jedes Teil gebraucht oder wenigstens besprochen haben. Auch an Lebensmitteln herrschte keine Knappheit. Nach der Begrüßung wanderten wir zum Camp und errichteten als Erstes ein riesiges Tarp zum Regenschutz, denn die Wettervorhersage hatte leider Regen und niedrige Temperaturen angekündigt. Hierbei lernte ich schon einiges über die Wahl eines geeigneten Lagerplatzes.

Hierunter bleibt alles trocken
Besuch im Camp

Unter dem Schutz der Folie bauten wir zwei kleine Zelte auf und ließen dazwischen noch Platz für die Feldküche. Während Roli das Mittagessen vorbereitete, begann auch schon die Materialkunde über verschiedenen Kocher und Brennstoffe und deren Vor- und Nachteile. Die verschiedenen Typen waren alle vorhanden und konnten ausprobiert werden. Nach dem Mittagessen begannen wir mit Knotenkunde und Tarp-Aufbauten für verschiedene Witterungen. Es folgten dann Informationen und praktische Anwendungen von Schlaf- und Biwaksäcken und sogenannten Bivibags, der Kombinationen aus beiden.

A-Frame
Tipi-Tarp
Diamond

Bei einem frisch gekochten Kaffee und leckerem Streuselkuchen verarbeitete ich zuerst einmal die ganzen, für mich neuen Informationen. Was für ein toller Komfort mitten im Wald!

Der Kuchen war natürlich gekauft
Das Abendessen wird immer frisch zubereitet

Danach flogen die Späne, denn es wurde gesägt, gebohrt und geschnitzt, weil wir einen der großen Tische im Camp reparieren, bzw. stabilisieren mussten. Es wurden dazu stabile Holzverbindungen hergestellt, die mit zusätzlichen Holzdübeln gesichert wurden. Dazu wurde einfach das um uns herum im Wald vorhandene Totholz genutzt. Bei der Zubereitung des Abendessens wurde der neue Tisch schon in Betrieb genommen. Diesmal flogen wieder Späne, aber mehr Gemüseschalen und Wurstscheiben. Wir bereiteten uns eine deftige Bauernpfanne mit frischen Zutaten. Dabei wurde jeweils der von uns favorisierte Kocher benutzt.

Jägerpfanne nach Bushcraft Art
Thorsten in seinem Element

Es wurde eine echte Schlemmermahlzeit. Passend zum Abendprogramm erschien auch wieder Barbarossa um nach dem Rechten zu sehen und uns mit frischem Hopfensaft zu versorgen. Es wurde ein recht lustiger Abend. Nach dem Abwasch gingen wir zu der schönsten Stelle im Camp, der Bank an der Rehwiese, und warteten auf die Tiere. Da es jedoch leider schon zu dunkel war sahen wir aber nur noch einige Augenpaare in der Dunkelheit leuchten. Die mittlerweile aufgezogene Kälte vertrieb uns dann auch ziemlich schnell und wir gingen ins Camp zurück, um müde in die Schlafsäcke zu kriechen. Mitten in der Nacht setzte dann der Regen ein und trommelte auf unser Tarp. Ich war sehr froh, dass wir bei unserer Ankunft vorgesorgt hatten und das Riesending prophylaktisch montiert hatten. Roli nebenan störte sich auch nicht besonders daran und schlief einfach seelenruhig weiter.

Am nächsten Morgen bereitete ich den Kaffee für meinen Gastgeber zu, um die Lebensgeister zu wecken. Nach dem ersten Kaffee bereiteten wir dann zusammen unter dem Tarp, in der trocken gebliebenen Feldküche, frische Burger zu und frühstückten gemütlich.

Danke für den Morgenkaffee!
Roli in der Feldküche
Ja, auch mit Mayo

Das war wieder ein kulinarisches Highlight, welches ich so im Wald wirklich nicht erwartet hatte. Nun war mir auch klar warum wir so viel an Ausrüstung mitgeschleppt hatten. Bei Roli braucht wirklich niemand zu verhungern.

Der Rest ist schnell erzählt, wir bauten in einer Regenpause alles bis auf das Tarp ab. Dadurch blieb die komplette Ausrüstung trocken und wir brauchten nur noch zuletzt das nasse Tarp einpacken. Danach gingen wir zum ursprünglichen Treffpunkt zurück und unsere Wege trennten sich. Ich freue mich schon auf das nächste Mal.

Thorsten

Schon lange im Voraus hatten wir uns zufällig das schönste Wochenende im März für diesen Arbeitseinsatz ausgesucht. Aus diesem Grund erschienen wir auch hoch motiviert, um die anstehenden Arbeiten bei Sonnenschein zu erledigen und abends lange klönen zu können.
Die im letzten Jahr sehr gründlich entfernten Ranken waren nicht so stark wie befürchtet nachgewachsen, sodass wir uns an ein Terraforming-Projekt trauten und einen kleinen, aber sehr störenden Hügel abtragen wollten. Hier kamen Spitzhacke und Schaufeln zum Einsatz und in Ermanglung einer Schubkarre schaufelten wir stattdessen die Erdmassen händisch weg und schufen ein ansehbares, gerades Plateau.

Genau in der Mitte, und Peter war da wirklich sehr genau, errichteten wir eine sichere Feuerstelle mit einem ebenen, steinernen Untergrund. Darunter und in der Nähe wurde ebenfalls sämtliches Wurzelwerk entfernt. Hier können wir nun gefahrlos unsere Kocher aufstellen und abends ein kleines Feuerchen entzünden wenn sich das mit dem Waldbrandgefahrenindex und den Vorgaben des Eigentümers vereinbaren lässt. Das sind aber leider nur die wenigsten Tage im Jahr.
Da die Mittagspause aus Zeitmangel leider wegfallen musste leisteten wir uns nach diesem Einsatz auch den Luxus einer kurzen Kaffeepause mit frischem Streuselkuchen.

Der nächste Schritt war die Befreiung des Waldbodens von altem Laub und Ästen im Bereich des Schlafplatzes. Hier fielen aufgrund der großen Fläche gewaltige Mengen an, aber wir wollten den Krabbeltieren keinen unnötigen Unterschlupf bieten. Außerdem sind verlorene Gegenstände auf dem freien Waldboden besser zu sehen und er trocknet nach Regen schneller ab.

Die Sache mit dem großen Gruppentarp als Regenschutz hat die meiste Zeit in Anspruch genommen. Hier probierten wir mehrere Aufbauvarianten und Befestigungsmöglichkeiten aus. Bei einer Fläche von 5x6m drückt der Wind so gewaltig, dass wir wegen der Ausreißgefahr keine der eingesetzten Ösen verwenden konnten und auf alternative Befestigungstechniken zurückgreifen mussten. Die im richtigen Abstand stehenden Bäume in Verbindung mit überdimensionalen Zeltnägeln brachten das beste Ergebnis. Peter schuf dazu in freier Baumklettertechnik aus Bandschlingen und Schraubkarabinern die notwendigen, stabilen Fixpunkte. Danach bauten wir alles wieder ab, da wir ja unter freien Himmel schlafen wollten. Damit war das eigentliche Arbeitsziel erreicht und Barbarossa erfreute uns nach getaner Arbeit mit einem schön gekühlten Bierchen und einigen selbstgefärbten, verfrühten Ostereiern.

Damit war dann auch der offizielle Startschuss zum Feierabend erfolgt und wir bereiteten in aller Ruhe das Abendessen vor. Wie immer gab es frische Zutaten. Kartoffeln wurden gebraten, Gemüse und Pilze geputzt. Mit Wildschweinwurst, Tomaten und Kräutern dazu, wurde das eine richtig deftige Bauernpfanne. Wir genossen das Festmahl an unserem kleinen Lagerfeuer, schauten zu den Sterne hoch und tauschten unsere gesammelten Bushcraft-Erfahrungen aus. Mit einem Glas Rotwein wurde der Abend beendet und wir krochen ein wenig später unter dem klaren Sternenhimmel müde und satt in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen weckte uns das fröhliche Gezwitscher der Vögel in den Bäumen direkt über uns aus einem erholsamen Schlaf. Wer so etwas noch nie erlebt hat, der hat wirklich etwas versäumt.
Eine Nacht mit Freunden im Wald ist nämlich etwas ganz Besonderes, denn auch als Erwachsener fühlt man dort in der Gruppe Geborgenheit.
Bei einem rustikalen Frühstück mit starkem Kaffee und Rührei mit Speck schmiedeten wir dann schon wieder Pläne für den nächsten Aufenthalt. Ein weiteres Bauprojekt steht auf dem Plan. Danach packten wir unsere Ausrüstung zusammen und räumten das Camp noch einmal auf, bevor wir uns verabschiedeten.

Wegen der anhaltend hohen Waldbrandgefahr verzichteten wir auf das geplante Biwak über das Wochenende und veranstalteten stattdessen einen eintägigen Arbeitseinsatz, denn zu tun gibt es natürlich immer etwas im Camp. Da wir nur zu zweit waren, hatten wir auch nur zwei kleine Projekte geplant. Eine rustikale Sitzgruppe um die Feuerstelle und ein Gestell für den Brennholzvorrat. Normalerweise benutzen wir keine motorbetriebenen Werkzeuge aber in dem Fall machten wir eine Ausnahme um die dicken Baumstämme in Stücke zu sägen. Jeweils zwei dünnere Stämme als Auflage für den Boden wurden ausgekehlt um die dicken Stämme aufzunehmen. Ein paar Erdarbeiten mit dem Klappspaten waren noch notwendig, dann entstanden auch schön parallele Sitzflächen.
Passend zur Mittagspause waren wir damit fertig und haben sie „eingesessen“.
Den Nachmittag verbrachten wir mit weiteren Sägearbeiten um unseren Brennholzvorrat zu ergänzen und um das Lager aufzuräumen. Hierzu gehörte auch die Entfernung der letzten Dornenranken die noch auf dem zentralen Platz wucherten, denn es ist nicht lustig wenn man nachts darin hängen bleibt.
Recht zufrieden mit unserer Arbeit trennten wir uns nach einem Abschlußkaffee und freuten uns auf die nächste gemeinsame Aktion.